A.10.26 Healing of Memories:
Vergebung, Versöhnung, Wiedergutmachung von Wunden aus Gegenwart und Vergangenheit
Dieses Praxis-Seminar wird von Stefan Fischer und Martin Lemme durchgeführt und Father Michael Lapsley wird 2 Inputs geben. (Der Link zur Vorstellung von Father Michael Lapsley befindet sich bei den Informationen)
Die Seminarsprache ist Deutsch, während die Beiträge von Father Michael Lapsley (Englisch) konsekutiv in Deutsch übersetzt werden.
Vergebung, Verzeihung, Versöhnung, Wiedergutmachung: Das sind zugleich wichtige wie schwere Schritte - sowohl in der eigenen Leistung als betroffene Person wie auch in der Anleitung als Coach . In unseren Seminaren zum Prozessdynamischen Modell der Präsenz (PDM) ist die Umsetzung dieses Handlungsaspektes häufig mit vielen Fragen und Unsicherheiten verbunden. Vielfach werden große und schwere Abläufe damit verbunden, die aus Zeitgründen gar nicht erst umgesetzt werden oder im Prozess abgebrochen werden. Dieser Sorge möchten wir durch praktische Beispiele und konkrete Umsetzungshilfen begegnen.
In diesem Seminar werden wir Wiedergutmachungs- und Vergebungsprozessen in verschiedenen Kontexten an Praxisbeispielen erörtern und sichtbar werden lassen. Der erste Schritt ist, sich selbst dafür zu sensibilisieren, welche Kraft der eigenen Präsenz allein schon in der Erzählung über das erlebte Ereignis steckt. So steht im Mittelpunkt des Vorgehens nicht das Handeln im Sinne eines methodischen Vorgehens, sondern das Verstehen, dass die Veränderung bereits im Erzählen des eigenen Erlebens, dem Zuhören und der daraus folgenden Resonanz sowie in der Art dies zu tun beginnt. Für uns Coaches bedeutet dies den betroffenen Personen so zuzuhören, dass wir ihre Absichten und Motive verstehen lernen. Verstehen bedeutet dabei nicht die kritischen Handlungsweisen zu akzeptieren. Im Zuhören und Verstehen steckt die Möglichkeit der gemeinsamen Entwicklung.
Das Vorgehen des Coaches im PDM nach Lemme & Körner ist demnach geprägt von der Unterstellung bedürfnisorientierter Absichten und dem Angebot von Verbundenheit, der Klarheit in Bezug auf die Ausmaße des erlebten Leids bei gleichzeitiger Sicherheit aller Beteiligten wie auch der Akzeptanz der Autonomie durch den Verzicht auf Zwang und Sanktionen und doch intensiv zugewandter Beharrlichkeit. Dies sind die grundlegenden Aspekte des Transformativen Feldes, das wir anhand von Praxisbeispielen im Handlungsaspekt Beziehung Wiedergutmachung aufzeigen werden.
Healing of Memories ist ein Ansatz, um schmerzhafte oder traumatische Erinnerungen zu verarbeiten und zu heilen. Dabei werden Verletzungen aus der Vergangenheit bewusst gemacht und im geschützten Rahmen bearbeitet. Ziel ist es, Versöhnung mit sich selbst und anderen zu finden und inneren Frieden (wieder) zu erlangen. Dazu werden im urprünglichen Vorgehen Gespräche, Gebete, Rituale und beraterische Impulse eingesetzt, vor allem, um zu hören und zu verstehen. Jede persönliche Geschichte benötigt Menschen, die zuhören.
Das Vorgehen Healing of Memories wurde von Father Michael Lapsley entwickelt, einem anglikanischen Priester und Anti-Apartheid-Aktivisten aus Südafrika. Nach einem Attentat, bei dem er beide Hände und ein Auge verlor, entwickelte er dieses Konzept basierend auf seinen eigenen traumatischen Erfahrungen sowie den kollektiven Wunden der südafrikanischen Apartheid-Gesellschaft.
Der Ansatz wurde ursprünglich entwickelt, um Menschen nach Zeiten von Gewalt, Unterdrückung oder gesellschaftlichen Konflikten (insbesondere in Südafrika nach dem Ende der Apartheid) einen Raum zu bieten, ihre schmerzhaften Erfahrungen zu erzählen und Heilung zu finden. Das Vorgehen in den Workshops richtet sich an Einzelpersonen und Gemeinschaften, die unter den Folgen von Krieg, Menschenrechtsverletzungen, sozialer Spaltung oder anderen Traumata leiden. Ziel ist die Unterstützung individueller und kollektiver Heilung sowie die Förderung von Versöhnung, Verständnis und Frieden innerhalb und zwischen verschiedenen gesellschaftlichen Gruppen.
Heute wird Healing of Memories weltweit angewendet, auch außerhalb von Südafrika, für viele Formen persönlicher und gesellschaftlicher Traumatisierung oder Verletzungen.
Wir nutzen diesen Ansatz als Vertiefung zum Vorgehen mit Wiedergutmachungs-, Versöhnungs- und Vergebungsprozessen und werden dies in Zusammenhang mit den Prozessdynamischen Modell der Präsenz wie dem Transformativem Feld an praktischen Beispielen handhabbar und nutzbar machen, so dass die Teilnehmenden sich sowohl in ihrer Haltung als auch in ihrer Handlung in der Umsetzung ihrer eigenen Praxis gestärkt erleben.
Inhalte
• Vertiefung des Vorgehens im Prozessdynamischen Modell der Präsenz
• Praktische Erfahrung von Prozessen der Vergebung, Versöhnung, Wiedergutmachung
• Einsatz des Transformativen Feldes im Handlungsaspekt Beziehung Wiedergutmachung
• Verstehen und Verinnerlichen von Healing of Memories
• Selbsterfahrung
Zielgruppe
Dieses Seminar richtet sich an Personen, die sich mit der Umsetzung der Systemischen (Neuen) Autorität in Schulen und Bildungssystemen intensiver beschäftigen wollen und ihre Haltungen und Interventionsmöglichkeiten dieses Ansatzes vertiefen und in ihrer beruflichen Praxis anwenden wollen.
Wir setzen die Teilnahme der Grundlagenseminare beim Besuch der Aufbauseminare voraus.
Alternativ sollten die Inhalte dieser Seminare theoretisch wie erfahrungspraktisch bekannt sein.
ReferentInnen
Verantwortlich: Martin Lemme und Stefan Fischer
Referierender: Father Michael Lapsley
Seminardurchführung
Dieses Praxis-Seminar wird von Stefan Fischer und Martin Lemme durchgeführt und enthält Beiträge von Father Michael Lapsley.
Das Seminar wird in Deutsch durchgeführt. Die Beiträge von Michael Lapsley werden konsekutiv übersetzt. Es gibt einen methodischen Wechsel von Inputs, Kleingruppenarbeiten, Übungen, Methodenexperimenten (Rituale, angewandte Präsenz…) sowie Selbstefahrungsanteilen.
Es findet statt ab einer Anmeldung von 10 Personen.
Ca. vier Wochen vor Seminarbeginn werden die Mitwirkenden darüber informiert. SyNA behält sich vor im Krankheitsfall eine*n andere*n Trainer*in für das Seminar zu bestellen (siehe AGB).
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